Die beiden Stimmen haben unterschiedliche Aufgaben.
Bei der Erststimme wird zwischen Personen im Wahlkreis entschieden. Die Zweitstimme gilt einer Landesliste. „Erst“ und „zweit“ sind dabei Bezeichnungen der Stimmarten, keine Rangliste ihrer Bedeutung. Für die Verteilung der Sitze zwischen Parteien ist die Zweitstimme maßgeblich.
Die Prüfungsantwort fasst die Verbindung von Personenwahl nach einem Mehrheitsprinzip und Verhältniswahl zusammen. Sie darf nicht so verstanden werden, als entstünden zwei völlig unabhängige Sitzkontingente, die einfach addiert werden. Die Regeln verbinden die Wahlkreisergebnisse mit dem proportionalen Ergebnis.

Die anderen drei Antworten
Die anderen Optionen beschreiben Ausschlüsse oder historische Ungleichheiten statt des heutigen Systems.
Zensuswahlrecht.
Zensuswahlrecht knüpft Wahlrechte an wirtschaftliche Voraussetzungen wie Besitz oder Steuerleistung. Das ist nicht die allgemeine und gleiche Bundestagswahl.
Dreiklassenwahlrecht.
Das historische Dreiklassenwahlrecht teilte Wähler nach Steueraufkommen in Gruppen mit unterschiedlichem Gewicht ein. Es beschreibt nicht die heutige Bundestagswahl.
allgemeines Männerwahlrecht.
Das heutige Wahlrecht ist nicht auf Männer beschränkt. Die allgemeinen und gleichen Wahlgrundsätze schließen diese Begrenzung aus.
Die vertraute Kurzform braucht die aktuellen Regeln als Ergänzung.
Seit der Bundestagswahl 2025 hängt der Wahlkreissitz eines Parteibewerbers von der Zweitstimmendeckung ab. Die früher oft gelernte Behauptung, jeder Erststimmensieger ziehe automatisch ein, beschreibt diese Rechtslage nicht richtig. Für parteiunabhängige Einzelbewerber gelten eigene Regeln.
Auch Sperrklausel, Ausnahmen und die Verteilung auf Landeslisten gehören zur vollständigen Berechnung. Die Testfrage verlangt zunächst nur die passende Systembeschreibung. Sie ist kein Grund, historische oder verkürzte Merksätze über die aktuelle Sitzvergabe zu stellen.
§ 1 · Bundeswahlgesetz ↗Erststimme: Person. Zweitstimme: proportionale Parteisitze.
Die Katalogformel verbindet zwei Elemente; die Zweitstimme bleibt für die Parteisitzverteilung maßgeblich.
Drei Wörter für diese Frage
- die Verhältniswahlproportional representation
- Eine Sitzverteilung, die sich nach Stimmenverhältnissen richtet.
- der Wahlkreisconstituency
- Ein räumlicher Wahlbereich für die Auswahl einer Person mit der Erststimme.
- die Zweitstimmendeckungsecond-vote coverage
- Die Voraussetzung, dass ein Wahlkreissitz einer Partei durch deren Zweitstimmensitze gedeckt ist.
