Ein historisches Wort mit einer begrenzten Perspektive.
Die Bundesrepublik schloss ab 1955 Anwerbeabkommen mit mehreren Staaten. Betriebe suchten Arbeitskräfte, während die beteiligten Regierungen und Unternehmen den Aufenthalt zunächst häufig als vorübergehend betrachteten. Diese Erwartung erklärt den verbreiteten Ausdruck Gastarbeiter.
Die Lebenswege entwickelten sich unterschiedlich. Manche Menschen kehrten zurück, andere blieben, gründeten Familien oder ließen Angehörige nachziehen. Angeworbene Frauen waren ebenfalls selbst erwerbstätig. Ihre Geschichte lässt sich nicht auf die Rolle begleitender Ehefrauen reduzieren.

Die anderen drei Antworten
Die übrigen Wörter beschreiben andere Aspekte von Arbeit.
Schwarzarbeiter / Schwarzarbeiterinnen
Schwarzarbeit betrifft beispielsweise Arbeit, bei der vorgeschriebene Steuer-, Melde- oder Beitragspflichten nicht erfüllt werden. Das ist nicht die Bezeichnung für staatlich organisierte Arbeitskräfteanwerbung. Die englische Katalogübersetzung „illegal workers“ darf nicht als Beschreibung der angeworbenen Menschen gelesen werden.
Zeitarbeiter / Zeitarbeiterinnen
Zeitarbeit bezeichnet eine Beschäftigungsform, bei der Arbeitskräfte über ein Zeitarbeitsunternehmen eingesetzt werden. Das Wort ist nicht die gesuchte historische Bezeichnung. Ein ursprünglich zeitlich begrenzt geplanter Aufenthalt macht Gastarbeiter nicht automatisch zu Zeitarbeitern.
Schichtarbeiter / Schichtarbeiterinnen
Schichtarbeit betrifft die Einteilung der Arbeitszeit in Schichten. Ein angeworbener Mensch konnte im Schichtbetrieb arbeiten; Schichtarbeiter war aber nicht die besondere historische Bezeichnung für die angeworbene Gruppe.
Die Bezeichnung ist kein heutiger Aufenthaltsstatus.
Gastarbeiter ist ein historisch verbreitetes Wort, keine verlässliche Auskunft über heutige Staatsangehörigkeit, Rechte oder Zugehörigkeit. Es sollte nicht unterschiedslos für alle Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte oder deren Nachkommen verwendet werden.
Der Anwerbestopp von 1973 beendete nicht die Anwesenheit der bereits hier lebenden Menschen. Arbeitskräfteanwerbung, Rückkehr, dauerhafter Aufenthalt und Familiennachzug sind unterschiedliche Vorgänge. Die Prüfungsfrage verlangt nur die damalige verbreitete Bezeichnung.
Gastarbeiter/-innen · Bundeszentrale für politische Bildung ↗Anwerbung in der Nachkriegszeit → Gastarbeiter.
Das Stichwort ist die historische Anwerbung, nicht Schichtplan oder Beschäftigung über eine Zeitarbeitsfirma.
Drei Wörter für diese Frage
- anwerbenrecruit
- Menschen gezielt für eine Tätigkeit gewinnen.
- vorübergehendtemporary
- Für eine begrenzte Zeit vorgesehen.
- die Arbeitsmigrationlabour migration
- Ein Orts- oder Länderwechsel im Zusammenhang mit Erwerbsarbeit.
